Diversity

Diversity bedeutet Vielfalt, sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen und entspricht der Realität in Deutschland und Europa, z.B. die Zunahme des Anteils der Menschen aus nicht-Deutschen Herkunftsländern, die Veränderung der traditionellen Geschlechterrollen, die Umkehrung der Alterspyramide, die Zunahme von individuellen Lebensstillen anstelle von Konformität, Ansprüche der Schwulen und Lesben-Bewegung etc.

Der Diversity-Ansatz geht von einer mehrdimensionalen Perspektive aus: Individuen sind demnach durch vielschichtige Eigenschaften und Merkmale charakterisiert, die zu verschiedenen Diversity Dimensionen verdichtet werden können. Aufgrund der Mehrfachzugehörigkeit zu verschiedenen Dimensionen (Geschlecht, ethnische und kulturelle Herkunft, Religion und Weltanschauung, sexuelle IdentitätBehinderung, Alter, sozialer Status, Beruf etc.) bestehen zwischen Individuen je nach Kontext zugleich Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Da zwischen den einzelnen Dimensionen ungleiche, hierarchische Beziehungen bestehen, beeinflussen diese Dimensionen die Identität und den Einfluss in der Gesellschaft. Der Diversity-Ansatz zielt auf die Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt und die Akzeptanz von "Anderen". Für die Gesellschaft bedeutet die Umsetzung von Diversity eine Chance auf eine vollständigere Entfaltung jedes Einzelnen.

Die Entstehung dieses Diversity-Ansatzes und der damit verbundenen Einbeziehung aller menschlicher Dimensionen muss im Zusammenhang mit der Umsetzung und Weiterentwicklung des Schutzes vor Diskriminierung im nationalen Recht, aber auch in einem sozio-historischen Kontext und den entsprechenden Entwicklungen gesehen werden.

Die Erfahrungen mit dem Holocaust führten 1948 zur Allgemeinen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen. "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren," nach Artikel I der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. "Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendwelche Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, (Haut)farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer und sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt onder sonstigen Umständen." (Artikel II). Schon damals sind einige Kernunterscheidungskategorien explizit erwähnt worden. 

Das heißt, es reichte nicht allgemein zu erklären, dass "alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten" geboren sind. Worauf hier explizit Bezug genommen wurde, ist die Tatsache, dass es eine Geschichte von kollektive Zuschreibungen auf bestimmte Merkmale gibt, wodurch Menschen in Gruppen kategorisiert und wiederholt und anhaltend ausgegrenzt werden. Die hinter der Ausgrenzung stehende Logik der Ungleichheit basiert auf Annahmen über Unwürdigkeit. Daher finden wir uns in einem historischen Lernprozess über die Ausgrenzungskategorien, welche in den jeweils dominanten Gesellschaften durch die institutionellen und ideologischen Diskurse konstruiert werden.